Heiliger der Woche: Stephan von Ungarn

Detail vom Altarbild der Basilika in Székesfehérvár - Photo: László Kiss
Detail vom Altarbild der Basilika in Székesfehérvár - Photo: László Kiss

Geburt und Taufe

Der Heiliger Stephan wurde um 969 als Sohn des Fürsten Géza geboren und hat nach der Geburt von seinen Eltern den Namen Vajk erhalten. Er war der letzte Großfürst und der erste König vom Árpádenhaus. König Stephan ist der Gründer des christlichen-ungarischen Staates, der erste ungarische Heilige und eine der größten Gestalten sowohl der ungarischen als auch der europäischen Geschichte. Er ist Patron von Ungarn.

  

Großfürst Géza war nicht getauft, neigte sich aber zum christlichen Glauben und schätzte die aktuelle historische Situation in Europa scharfsichtig ein. Er ließ seinen Sohn, den fünf jährigen Vajk, taufen. Er erhielt in der Taufe den Namen des ersten Märtyrers Stephan. Géza bestellte hervorragende christliche Lehrer für seinen Sohn. Gerhardus - der hochgebildete, gelehrte Benediktinermönch aus Venedig - hat dem jungen Prinzen die christliche, die wissenschaftliche und die politische Entwicklung gesichert. Stephan war bereit, sich eine enorme Menge von Wissen anzueignen. Er hat sich von Anfang an bewusst zum Herrschen vorbereitet. Im Jahre 995 heiratete Stephan Gisela von Bayern, die Schwester des deutschen Kaisers Heinrichs II., des Heiligen.

Hl. König Stephan in der Budaer Burg - Photo: Hilda Merkl Kőrösi
Hl. König Stephan in der Budaer Burg - Photo: Hilda Merkl Kőrösi

Gründung eines geistlichen Staates 

Als Stephans Vater Géza 997 starb, versuchten einige ungarische Fürsten sein Reich an sich zu reißen. Doch er kämpfte erfolgreich gegen sie und wurde Herrscher von Ungarn. Papst Silvester II. belohnte seinen Kampf um die Einheit Ungarns mit einer Krone und mit einem apostolischen Privileg. Die Krone wurde nur zur Krönung der ungarischen Könige verwendet. Die Heilige ungarische Krone hatte ein bewegtes Schicksal, wurde mehrmals in der Geschichte enteignet, schien verloren gegangen zu sein, wurde aber immer wieder vorgefunden und gerettet. Sie ist auch heute hoch geehrt und befindet sich im ungarischen Parlament unter der Kuppel zur Besichtigung ausgestellt.

 

Der Glaubenswechsel hat viel Kraft und Energie gefordert.  Die Einführung der neuen Religion und die neue, dem christlichen Abendland zugewandte Politik hat beträchtlichen Widerstand erweckt. Den Kämpfen fielen viele Menschen zum Opfer. Der tiefgläubige junge Fürst Stephan wandte sich mit Geduld seinem Volk aber auch entschlossen und zielbewusst dem christlichen Abendland zu. Seine Gemahlin, Königin Gisela, stand ihm treu bei. Zu Weihnachten des Jahres 1000 wurde Stephan in Gran (Esztergom) mit der heiligen Krone zum ersten König Ungarns gesalbt und gekrönt. 

 

Nachdem er seine Herrschaft gegen die Stammesfürsten gestärkt hatte, begann er den Aufbau seines Reiches. Um 1010 erkämpfte er den nördlichen Landesteil von Polen zurück. Es gelang ihm nach - hartem Kampf - die Bulgaren zu besiegen und dadurch im Jahre 1018 die Pilgerstraße nach Jerusalem wieder zu befreien. In Jerusalem gründete er ein Hospiz.

 

Parallel dazu gelang es ihm, seine Macht über sein mittlerweile großes Reich zu stabilisieren und es zu einem christlichen europäischen Staat zu entwickeln. Es geschah durch eine Verfassung und Schaffung von Gesetzen.

Hauptaltarbild der Basilika Hl. Stephan in Székesfehérvár - Photo: László Kiss
Hauptaltarbild der Basilika Hl. Stephan in Székesfehérvár - Photo: László Kiss

Aufbau der Kirchenstruktur

Danach wurden die Erzbistümer Esztergom (Gran) und Kalocsa mit acht Bistümern und die Abteien Pannonhalma (Martinsberg), Zalavár, Bakonybél und Pécsvárad ins Leben gestiftet. bei dieser großen Aufgabe leistete ihm Gerhardus Sagredo, der Bischof von Csanád (der Lehrer von Herzog Emmerich) zuverlässige und wertvolle Hilfe. Zehn Dörfer verpflichtete Stephan zusammen eine Pfarrkirche zu errichten. Für die Ausstattung sorgten der König und mit liturgischen Textilien und Donationen die Königin Gisela.

 

Mit seinen Gesetzen festigte König Stephan den neuen Glauben, das Christentum, das Privateigentum, die königliche Macht und die Kirchenordnung mit dem Zehnten. König Stephan sicherte die Grenzen seines Landes, förderte den Handel mit anderen Ländern und schaffte Wohlstand. „Gäste” wurden mit Gastfreundschaft aufgenommen. Die Einwohner des Reiches von König Stephan bildeten ein buntes Gewebe von Herkunft, Sprache und Kultur. Sein höchstes Ziel war es aber, alle Einwohner seines Landes zum Glauben an Christus zu führen. Er rief Missionare - meist Benediktinermönche aus Italien und Deutschland ins Land - um diese gewaltige Aufgabe bewältigen zu können. Von seiner Seite aus unterstützte er die Anstrengungen der Kirche mit eifrigem Gebet, Fasten und - trotz Strenge - mit Taten der Barmherzigkeit.

Glasfenster in der Kirche von Emőd (Nordungarn) - Photo: Gábor Kalóczkai. Pfarrer
Glasfenster in der Kirche von Emőd (Nordungarn) - Photo: Gábor Kalóczkai. Pfarrer

Thronfolge

Das Königspaar bekam wahrscheinlich mehrere Kinder (die früh starben), unter ihnen zwei Söhne Otto (den sie ebenfalls früh verloren haben) und Emmerich (Imre), der als Thronfolger galt. Sie ließen ihn von dem Benediktinermönch Gerhardus aus Italien erziehen. An ihn adressierte König Stephan I. seine Mahnungen (Adminitiones) in lateinischer Sprache. Ein Werk, das dem zukünftigen König mit Ratschlägen diente, wie er ein guter, gerechter, weiser und starker Monarch werden kann. Dieses Werk gehört zur Gattung der sogenannte Fürstenspiegel. Es ist also ein Werk, das mit didaktischem Anspruch geschrieben wurde. Ungefähr die Hälfte des Werkes beschäftigt sich mit dem Glauben bzw. mit der Kirche und die andere Hälfte mit praktischen Empfehlungen zum Regieren.

 

Die große Hoffnung des Königs war es, Herzog Emmerich zum kompetenten Nachfolger zu erziehen, ist früh zerbrochen. Emmerich starb 1031 im Alter von 24 Jahren bei einer Jagd. (Die Möglichkeit eines politischen Attentates kann nicht ausgeschlossen werden.) Nach dem Tod des Thronfolgers stand der kranke König Stephan vor einer großen Dilemma. Statt Vazul, seinem byzanztreuen Verwandten, den er blenden ließ, hat er die Krone und damit sein geliebtes Land, Ungarn der Gottesmutter Maria gewidmet.

Die Reliquien von Hl. Emmerich, Hl. Stephan und Sel. Gisella in der Basilika von Székesfehérvár - Photo: Pál Lakata
Die Reliquien von Hl. Emmerich, Hl. Stephan und Sel. Gisella in der Basilika von Székesfehérvár - Photo: Pál Lakata

Heiligsprechung

König Stephan starb am 15. August 1038 und wurde in der von ihm erbauten Basilika von Székesfehérvár (Stuhlweißenburg) beigesetzt (wo auch Emmerich ruhte). 1083 wurde Stephan von Papst Gregor VII. - zusammen mit seinem Sohn Emmerich und dem Missionsbischof Gerhardus auf Betreiben von König Ladislaus I. heiliggesprochen. Seine Gebeine wurden im Jahr der Heiligsprechung, 1083, erhoben.

 

Die im Grab unversehrt aufgefundene rechte Hand gilt in Ungarn als nationale Reliquie und ist bis heute in der Basilika 'Heiliger Stephan' in Budapest aufbewahrt. Der Begräbnistag von König Stephan, der 20. August, ist Nationalfeiertag in Ungarn.  An dem Tag werden die kostbare Reliquie in einer Prozession unter Begleitung von Hunderten von Katholiken in Budapest mit einer großen liturgischen Feier durch die Stadt getragen. (Zur Zeit des Kommunismus feierte man am gleichen Tag die Verfassung). Königin Gisella wurde 1911 vom Papst Pius X. seliggesprochen. Heiliger Stephan, Selige Gisela und Heiliger Emmerich sind Mitglieder der ersten kanonisierten christlichen Familie in der Welt. Ihre Verehrung ist bestimmend für das ungarische Selbstverständnis. Seine Attribute sind die Weltkugel und das Kreuz.

 

Gedenktag von Hl. Stephan in der Weltkirche ist der 16. August.

 

Text erstellt von: Dr. Hilda Merkl Kőrösi, Ungarn

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