Die Heilige der Woche: Begga von Landen

Ansegisus und Hl. Bega, Gemälde von Peter Paul Rubens, um 1612/1615
Ansegisus und Hl. Bega, Gemälde von Peter Paul Rubens, um 1612/1615

Es gibt nur wenige bildliche Darstellung der heiligen Begga. Das macht klar, dass sie mehr ins Bewusstsein gebracht werden sollte. Denn die heilige Begga gilt als Stammmutter der Karolinger. Sie war Großmutter von Karl Martell und damit Urgroßmutter Karls des Großen. Ihr Name bedeutet 'die Glänzende'. Sie war eine Tochter Pippins von Landen und der heiligen Itta von Nivelles. Die heilige Gertrudis von Nivelle und Bavo von Gent waren ihre Geschwister. Sie heiratete im Jahr 635 Ansegil, Sohn des heiligen Arnulf von Metz. Aus dieser Ehe gingen Pippin II. von Heristal hervor, der Stammvater der Karolinger. Weitere Kinder von Begga und Ansegil könnten Martin von Laon und Clotilda von Heristal gewesen sein. Die Quellenlage hierzu ist sehr lückenhaft.

 

Ihr Gemahl wurde auf der Jagd getötet (unter Umständen ermordet) und sie beschloss, ihr Leben Gott zu weihen und ein zurückgezogenes Leben zu führen.

 

Sie unternahm eine Wallfahrt nach Rom. Nach ihrer Heimkehr ließ sie sieben Kapellen in Andenne in den Ardennen auf dem Gebiet des Bistums Namur errichten, um die sieben Hauptkirchen der Hauptstadt der Christenheit nachzustellen.

 

Ebendort gründete Begga auch ein Kloster, das sich an dem Kloster, dem ihre Schwester Gertrudis von Nivelle vorstand, orientierte. Aus diesem Kloster kamen auch die ersten drei Nonnen der Neugründung, die von nun an an diesem Ort ein kontemplatives Leben führten. Das Kloster Andenne ist später (1764-1778) in ein adeliges Stift umgewandelt worden, das aus 32 Chorfrauen und zehn Kanoniker für die priesterlichen Aufgaben bestand.

 

Die heilige Begga starb 698 und wird im römischen Martyrologium verzeichnet. Begga wurde in ihrem Kloster in Andenne bestattet,

Foto : Ludo Verhoeven, Kollektion Begijnhofmuseum Turnhout
Foto : Ludo Verhoeven, Kollektion Begijnhofmuseum Turnhout

Verehrung

Man betrachtet sie als eine Beschützerin der Kinder und es ist deshalb nicht verwunderlich, dass Gläubige, die um ihren Schutz und ihre Gnade bitten, hier und da kleine Kinderschuhe auf ihrem Grab abstellen.

 

Die heiilige Begga ist die Schutzpatronin der Stotterer, der Menschen mit Knochenbrüchen und neuerdings auch der Beginen. Sie wird ebenfalls bei Rheuma angerufen. Dargestellt wird sie als Prinzessin (manchmal mit drei Kronen) und auch als Äbtissin, oft mit sieben Kirchen oder einer Kirche mit sieben Türmen in der Hand. Als Schutzpatronin des Beginenhofes von Turnhout (Belgien) wird dort in jedem Jahr eine Prozession zu Ehren der heiligen Begga organisiert. Kinder und Erwachsene stellen in der Prozession verschiedene Themen dar. Am dritten Sonntag im September, während der Prozession der heiligen Begga von Landen, wird der Antike Silber-Kupfer-Schrein durch die Straßen der Stadt getragen, der ihre Reliquien enthält.

 

Eine Reliquie von Begga ist in der St. Amandus-Kirche in Wezeren (Belgien) aufbewahrt.

 

Besonders im 17. und 18. Jahrhundert erlebte die Begga-Frömmigkeit eine Blütezeit. Diese zeigt sich auch u.a. in der Herstellung eines Reliquienschreins aus  Silber und Kupfer. Dieser wurde in Lüttich zwischen ca. 1560 und 1570 geschmiedet. Die Reliquienbüste enthält Fragmente der Schädel der Heiligen und wird in der Stiftskirche von Andenne (Belgien) aufbewahrt.

 

Im Inneren der Kirche der Andenne sind Zeichen der Verehrung der heiligen Patronin immer noch gut sichtbar. Auf dem linken Seitenaltar kann man eine Statue der Heiligen neben ihrem Grab bewundern. In den Anbauten der Stiftskirche befindet sich der Klosterschatz und ein Museum, in dem der Heiligenschrein von Begga, Verzierungen, Skulppturen, Manusskripte, Muster der Goldschmiedekunst und ein religiöses Porzellan von Andenne zu besichtigen gibt. Alle Viertelstunden erklingt ein melodisches Glockenspiel. Die Stiftskirche ist als außerordentliches Kulturgut der Wallonie denkmalgeschützt. 

 

Foto : Ludo Verhoeven, Kollektion Begijnhofmuseum Turnhout
Foto : Ludo Verhoeven, Kollektion Begijnhofmuseum Turnhout

Legenden

Eine Legende stellt die schon seit dem 15. Jahrhundert oft geäußerte - falsche - Meinung dar, Begga sei als Stifterin des Beginenwesens anzusehen. Nach Ägidius Aureae Vallins und anderer Geschichtsschreiber wurden die Beginen jedoch durch einen heiligen Priester von Lüttich, namens Lambert Berggh oder le Begne gestiftet, woher sie den Namen Beguinen  bekamen.

 

Die Stiftskirche von Andenne entstand später (1764-1778) als Ersatz für die abgebrochenen sieben Kirchen (bzw. Kapellen), die sie gestiftet hatte. Nicht weit davon entfernt gibt es eine Quelle, die nach ihr 'Brunnen von Sankta Begga' benannt ist. Man sagt, dass ihr Wasser im Winter heiß ist und im Sommer kalt.

 

Der Legende nach versprach sie, in Rom ein Kloster zu errichten. Aber das war offensichtlich nicht so einfach, denn bis zu drei Mal stützte das Gebäude ein. Dann zeigte Gott - so die Legende - auf wunderbare Weise, dass sie in Andenne sieben Kirchen bauen soll. Sie sollte die Kirchen zum Vorbild nehmen, die sie in Rom gesehen hatte.

 

Drei Wunder und ein Kloster

Das erste, auf sie zurückgehende Wunder ereignete sich, als ein Schweinehirt eine Sau verlor. Der Schweinehirt vernahm drei Tage lang eine Stimme, die auf dem Feld in Andenne zu hören war. Dort fand er seine Sau, die mit den sieben - ebenfalls verloren gegangenen - Ferkeln spielte. Das zweite Wunder: In der Nachbarschaft dieses Ortes fand Pippin II., Sohn von Begga, an einer Quelle ein Huhn mit sieben Küken. Seine Jagdhunde wollten das Huhn auffressen. Da wollten die Hühner davonfliegen, aber eine mysteriöse Kraft hielt sie auf. Als Begga von beiden Wundern erfuhr, verstand sie, dass Gott sie gebeten hatte, das Kloster zwischen der Quelle (Begga-Brunnen; siehe oben), wo Pippin das Huhn mit ihren Küken fand und dem Ort, an dem der Schweinehirt seine Sau mit dem sieben Ferkeln fand, zu bauen. Nach einer dritten Legende sollen Vögel ihm im Traum den Platz für das Kloster gezeigt haben.

Die heilige Begga von Landen wird auch 'von Heristal', 'von Andenne' oder 'von Brabant' genannt. Ihr Gedenktag ist der 17. Dezember. Im Jahr 743 fand ihre Heiligsprechung statt.

Die Europäischen Heiligen der Vorwoche finden Sie hier:

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