Seliger der Woche: Niels Steensen

Niels Steensen, Sohn eines Kopenhagener Goldschmieds, wurde 1. Januar 1638 in der dänischen Hauptstadt geboren. Niemand konnte damals ahnen, dass er am 25. November 1686 in Schwerin als katholischer Bischof sterben und dreihundert Jahre später seliggesprochen werden würde. Denn Dänemark hatte sich gerade vom katholischen Erbe abgewandt. König  Christian III wollte, indem er katholische Bischöfe verhaften ließ, den Widerstand gegen die Reformation brechen.

 

Was prägte Niels?

Zuerst einmal prägte ihn das religiöse Klima im Land. Niels, wissbegierig und fasziniert von der Natur, liebte alles, was sich

mit Tieren, Steinen und Naturwissenschaften befasste. Er war immer auf der Suche nach einem tieferen Verständnis für die Zusammenhänge in unserer Welt. Wissen war ihm wichtig. Er war auch der geborene Globetrotter und Sucher, wissbegierig und polyglott. Sein Wissendurst war unersättlich. Zuerst studierte er Medizin, fasziniert von der Schönheit und der komplexen Beschaffenheit des menschlichen Körpers. Danach reiste und studierte er einige Jahre im Ausland, u.a. in Rostock, Amsterdam, Leiden und Paris, Montpellier und Pisa. Er lernte die führenden Mediziner seiner Zeit kennen und liebte es, seinen Verstand auf vielen Gebieten herauszufordern. Er war getrieben von einer Leidenschaft: Er wollte die Welt verstehen. Seine anatomischen Demonstrationen – er fand den Ausführungsgang der Ohrspeicheldrüse und bewies, dass das Herz ein Muskel ist - machten ihn in ganz Europa berühmt, so berühmt, dass Ferdinand II. von Medici ihn zu seinem Leibarzt ernannte. Ferdinand unterstützte Niels Forschungen, die sich später auch auf andere Wissenschaften ausweitete wie geologische

und paläontologische Themen.

Die Reisen prägten Niels auch als Mensch. In den Niederlanden erlebte er die Zersplitterung der reformierten Kirchen, was ihn die Kehrseite der Reformation zeigte. In Italien beobachtete er die für ihn so fremde Frömmigkeit der Katholiken; vor allem eine Fronleichnamsprozession machte Eindruck auf ihn.

 

Menschen knieten auf offener Straße nieder, weil man ein Stück Brot durch die Gassen trug. War dies stupider Aberglaube? Oder gab es doch die Realpräsens? Wer hatte Recht? Was glaubte Niels selbst? Niels, der sich niemals mit schnellen Antworten zufrieden gab, vertiefte sich in die aufgeworfenen theologischen Fragen, bis er 1667 um die Aufnahme in die katholischen Kirche bat. Für einige Jahre kehrte er auf Werben des dänischen Königs nach Kopenhagen zurück, wo er als königlicher Anatom und Universitätslehrer lehrte. Niels Wunsch, als Priester zu wirken, wuchs und wurde stärker, bis er Ostern 1675 in Florenz seine erste hl. Messe feierte. Er war Seelsorger und Beichtvater am Hof der Medicis. Doch die Katholiken in Dänemark und Norddeutschland brauchten Seelsorger, und so wurde Niels am 19. September 1677 in Rom zum Bischof geweiht. Fortan sollte er sich als Apostolischer Vikar um die versprengten Reste katholischer Gemeinden in Norddeutschland und Skandinavien (Apostolisches Vikariat des Nordens) kümmern. in Münster wirkte Niels als Weihbischof und Leiter der Seelsorge.

Doch Niels war authentisch und gradlinig. Als er sich gegen den Ämterkauf wehrte und versuchte, das geistliche Leben von Laien und Klerus zu ordnen, wurde er nicht beliebt. Persönlich lebte er immer bescheidener und einfacher, er wurde ein Asket. Was er von geistlichen Amtsträgern forderte, zeigte er beispielhaft durch die eigene Lebensführung. Damit geriet er in Widerspruch zum Lebensstil der oft aus dem Adel stammenden höheren Geistlichkeit und wurde zu einem lebenden Vorwurf. In Reihen der Hierarchie bekam er immer mehr Feinde.

 

Nach vielen Umwegen kam er 1685 nach Schwerin, wo er sich als einfacher Priester ohne bischöfliche Insignien um die katholischen Gläubigen kümmerte. Dort starb er ein Jahr später, am 25. November 1686.

Illustration von Steensens "Canis Charcharia Dissectum Caput" (1667) Figure by Michaelis Mercati
Illustration von Steensens "Canis Charcharia Dissectum Caput" (1667) Figure by Michaelis Mercati

Niels letztes Gebet.

Jesus, sis mihi Jesus – „Jesus, sei mir Retter“.

 

Niels Grab

Nach seinem Tod wurde Niels einbalsamiert und in der Kirche der Medici, der Basilika San Lorenzo in Florenz beigesetzt.

 

Seligsprechung

Am 23. Oktober 1988 wurde Niels Steensen durch Papst Johannes Paul II. seliggesprochen.

 

Sein kirchlicher Gedenktag ist der 25. November.

 

Niels Stensen war ein bahnbrechender und vielseitiger Wissenschaftler Niels Steensen wird heute nicht nur wegen seiner Liebe zu den Armen und seiner Frömmigkeit verehrt, sondern auch weil er den Spagat zwischen Glaube und Wissenschaft, Glaube und Vernunft schaffte. Er zeigt, dass Naturwissenschaften und religiöse Einsicht keine Gegensätze sind. Niels war ein anerkannter Wissenschaftler, der bahnbrechende Erfolge auf verschiedenen Gebieten zu verzeichnen hatte, u.a. hat er als erster die Tränen- und Speicheldrüsen des menschlichen Körpers von den Lymphknoten unterschieden. Er beschrieb das Ausführungsgangsystem der Ohrspeicheldrüse, den Ductus parotideus. Bei der Untersuchung von Quarz entdeckte er, dass die Oberflächen der Kristalle immer im selben Winkel zueinander stehen, unabhängig von ihrer Größe oder Form. Er legte damit das Fundament für die moderne Kristallographie. Niels zeigte, dass die biologische Herkunft der Fossilien Überreste von Lebewesen sind und nicht, wie bis dahin angenommen, Gesteinsauswüchse. Darüber hinaus leistete er auch einen Beitrag zur Erforschung des Sedimentsgesteins, indem er erkannte, dass das Alter einer Sedimentschicht nach oben hin abnimmt, weil sich jüngere Schichten auf älteren ablagern.

Spuren des Heiligen in Deutschland und Dänemark:

In Worphausen bei Bremen wurde in den 1960er Jahren das „Niels-Stensen-Kloster“ gebaut, welches jedoch niemals als solches benutzt wurde. Heute ist das Niels-Stensen-Haus eine katholische Bildungsstätte.

 

Ludgeri Kirche in Münster

Niels Stensen hat in der Ludgerikirche in Münster gewirkt. Im Kirchenraum findet sich ein Bild von ihm und der seligen Edith Stein, die dort oft betete.

 

Luziakapelle bei Etteln Borchen

Diese kleine Kapelle wurde von Niels Steensen eingeweiht.

 

Steno-Museum in Århus

Das Steno Museum in Århus wurde 1993 von Olaf Pedersen gegründet und hat es sich zur Aufgabe gemacht, Niels Steensens Leben und Werk als Universalgelehrter und Vater der Geologie zu dokumentieren.

 

Was sagen andere?

Wilhelm von Humboldt bezeichnete ihn als „Vater der Geologie“.

 

Niels Stensen – ein Universalgelehrter und fast ein Genie:

Niels beherrschte acht Sprachen perfekt: die deutsche, lateinische, griechische, hebräische und arabische Sprache lernte er in der Schule. Später auf seinen Reisen lernte er noch die niederländische, französische, italienische und englische Sprache.

Bilder von Niels Steensen auf Wikipeida Commons: https://commons.wikimedia.org/w/index.php?search=Niels+Steensen&title=Special:Search&go=Go&searchToken=5vyrz6kpps0of00qga5j1msp4

Weitere Bilder mit freundlicher Genehmigung zur Verwendung:

www.nielssteensen.dk

http://web-werkstatt.net/kapellenhof/unser-hof/5-kluskapelle-etteln

Die Europäischen Heiligen der Vorwochen finden Sie hier:

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