Heiliger der Woche: Dominikus

Hl. Dominikus. St. Martin Kirche, Szombathely, Ungarn, Photo: Balázs Zágorhidi Czigány
Hl. Dominikus. St. Martin Kirche, Szombathely, Ungarn, Photo: Balázs Zágorhidi Czigány

Zwischen 1150-1250 wuchs die Bevölkerung Europas von 50 Millionen auf 61 Millionen. Es kam zu Epidemien und Hungersnot. Die Urbanisation entwickelte sich schnell, es entstanden neue Zentren. Franziskus und Dominikus haben bewusst die Städte zu ihrem Tätigkeitsgebiet gewählt. Für Dominikus wurde die Stadt zum Schauplatz der Evangelisation. Der Anspruch auf Gemeinschaften wurde immer grösser.

 

„Es gibt kaum einen Heiligen des Mittelalters, von dem wir so authentische Quellen zu seinem Leben und Werk besitzen."

 

Sein Leben

Der Name Dominikus bedeutet „dem Herrn gehörend“.

Laut der Legende sah seine Mutter vor seiner Geburt einen kleinen schwarz-weißen Hund, der mit einer brennenden Fackel im Maul die ganze Welt erleuchtete. Dominikus ist in Caleruega in Kastilien in der Diözese Osman zwischen 1173 und 1175 als Sohn der wohlhabenden Familie Guzman geboren. Die Eltern Felix und Johanne waren fromme Leute. Bei seinem Onkel, der Erzpriester war, lernt der begabte Junge Latein. Die Schuljahre verbringt Dominikus in Palencia und studiert die sg. „Freien Künste” und später Theologie. Der reformierte Domkapitel von Osma nimmt ihn in die Reihe seiner Mitglieder auf und bestimmt seine Aufgaben:  Gotteslob und Kontemplation. Die Zeit der beschaulichen Ruhe wurde aber bald durch zwei Reisen unterbrochen. Dominikus musste seinen Bischof Diego von Azebes in den Jahren 1204 nach Norddeutschland bzw. Dänemark begleiten.

Hl. Dominikus. St. Martin Kirche, Szombathely, Ungarn, Photo: Balázs Zágorhidi Czigány
Hl. Dominikus. St. Martin Kirche, Szombathely, Ungarn, Photo: Balázs Zágorhidi Czigány

Dominikus und die Mission

Während den Reisen wurden sie mit den großen Gefahren ihres Zeitalters konfrontiert. In Südfrankreich hat sich die Lehre der Albigenser (Katharen) immer mehr verbreitet und Deutschland wurde von dem Nomadenvolk der heidnischen Kumanen bedroht. Die Lage rief von allen Seiten her um Mission für die römisch katholische Kirche, die Mission wurde aber von dem Papst untersagt.

 

Er war ein rastloser Reisender, der ständig auf dem Weg war,

meistens zu Fuß. Dominikus kam auf seinem Weg mit dem päpstlichen Legaten und einigen Zisterziensermönchen in Kontakt, die die Häretiker ohne Erfolg zum Umkehr bewegen wollten und haben den Kampf bereits aufgegeben. Dominikus ließ sich über die Kritik der Albigenser unterrichten. Das Reichtum der Kirche, die schlechten Sitten des hohen Klerus und das Bildungsdefizit des Priestertums haben viele dazu bewegt sich von der Kirche zu entfernen und sich den Albigensern anzuschließen. Dominikus fand ihre Kritik in mehrerer Hinsicht berechtigt. Armut, Askese und Predigt waren die „Tugenden“ der Häretiker. Hier nahm Dominikus den Kampf auf und begann über die Gründung einer neu-gesinnten Gemeinschaft im Rahmen der Kirche nachzudenken.

 

Die Ordensgründung

Nach der Ermordung seines Legaten erklärte der Papst einen Kreuzzug gegen die Häretiker und allen die ihnen Hilfe leisteten. Es begann ein erbitterter Religionskrieg in Europa. Dominikus ging zu Fuß durch die gefährlichen Gegenden, sprach und diskutierte mit den irreführten Menschen, erhörte alle, litt mit den Leidenden, und sammelte Erfahrungen. Er gelang zur Schlussfolgerung: zur Änderung müssen veraltete kirchliche Strukturen und Sitten behoben werden. Dies könnte mit der Gründung eines neuen Ordens verwirklicht werden. 1215 sammelte sich eine kleine Gruppe um ihn herum, die in Toulouse die Profess ablegten, mit dem Ziel „die Nachfolge der Apostel“ zu werden. Als Dominikus Papst Innozenz III. um eine Genehmigung zur Ordensgründung bat, wurde dies abgelehnt, aber er wurde ermuntert, eine bereits bestehende Ordensregel zu übernehmen. So wählte Dominikus die Regel der Augustiner-Kanoniker. Er ergänzte sie mit strengeren Vorschriften über Besitz und Armut, aus der Erfahrung heraus, dass es vor allem die materielle Verweltlichung der Kirche und ihrer Amtsträger war, die ihre Glaubwürdigkeit in der Bevölkerung reduzierte und die Entstehung von Häresien ermöglichte. Am IV. Laterankonzil bekam Dominikus die päpstliche Bestätigung, die sogenannte Konfirmationsbulle mit der Regel des hl. Augustinus als Bekräftigung der Bewilligung, die er von Bischof Fulco für den „Orden der Prediger“ bereits bekommen hat. Die endgültige Bestätigung erhielt

 

Dominikus vom Papst Honorius III. am 22. Dezember 2016. Seine Regel wurde zum Mittel der Herausbildung der Konsens. Das Ziel war die Einigung der spirituellen Kräfte und die Herausbildung der Gemeinschaft zwischen den Brüdern für die erfolgreiche apostolische Arbeit. Das Hauptziel war ja nach wie vor die Verkündung von Gottes Reich gewesen. Anfang 1215 schenkte Petrus Seilhan Dominikus sein Haus in Toulouse und auch er selbst wurde in die Gemeinschaft der Prediger aufgenommen. Damit hatte die Gemeinschaft einen Wohnort. 

Wappen des Predigerordens
Wappen des Predigerordens

Die Verbreitung des Ordens

Am 15. August 1217 sandte Dominikus seine Mitbrüder an die Universitäten in Paris, Rom, Bologna und Spanien zum Studium, damit sie in kürzester Zeit mit der entsprechenden theologischen Ausbildung und mit Demut das Evangelium

verkünden und neue Konvente gründen können. Die Dominikaner mussten intellektuell gut ausgerüstet sein, um den Argumenten der Ketzer zu begegnen, und deshalb erhielten ihre Novizen eine sorgfältige Schulung.

Die Bettlerarmut sollte den Predigerbrüdern, wie auch den Franziskanern, die Glaubwürdigkeit sichern. Er sandte seine Brüder zu zweit in die Welt, wo sie auf dem Weg in Lebensgemeinschaft ihr Sein miteinander teilten.

 

Dominikus hatte beinahe die Missionierung der ganzen Welt vor Augen gehabt. „Skandinavien für den hohen Norden, Polen für Russland, Ungarn für Asien.“  

Der selige Jordan von Sachsen, der Nachfolger in der Ordensleitung, sieht ein klares Bild des hl. Dominikus in seinem Gebet. «Vom Eifer für Gott und von übernatürlicher Glut entflammt, hast du dich durch deine grenzenlose Liebe und Begeisterung mit dem Gelübde der ständigen Armut voll Innigkeit und gänzlich dem apostolischen Gehorsam und der Verkündigung des Evangeliums geweiht.»

 

An der ersten Generalkapitel 1220 in Bologna nahmen 30 Delegierte teil. Ein Jahr später als Dominikus 1221 starb, umfasste der Orden circa 300 Brüder in 20 Konventen. Am Ende des Lebens der Gründer war das Wirkungsfeld der apostolischen Sendung des Ordens die Welt, d.h. die ganze Kirche. Das Gebet, das Studium und die Gemeinschaft waren und sind die Tragsäulen des dominikanischen Lebens. Eines der grundlegenden Merkmale des hl. Dominikus war, dass er „immer von und mit Gott gesprochen hat”. Dominikus sorgte und betete für das Heil der Seelen, oft während der ganzen Nacht. Seine Neun Gebetsweisen werden bis heute geübt.

 

Bei seiner Heiligsprechung im Jahr 1234 wurden zwei wichtigen Elemente der Spiritualität der Dominikaner hervorgehoben: erstens die von Dominikus begeistert gepflegte Verehrung von Maria. Dadurch wurde das Rosenkranzgebet verbreitet. Zweitens glaubte Dominikus mit der Gründung einiger Klöster mit Klausurschwestern in Frankreich und in Rom den einmaligen Wert des Gebetes für eine erfolgreiche apostolische Arbeit zu betonen.

 

Auf den Generalkapiteln 1220 und 1221 in Bologna legte Dominikus mit seinen Brüdern die Grundlage der Verfassung des Ordens, die sein erster Nachfolger, der selige Jordan von Sachsen in eine feste Form gebracht hat. Die kluge und ausgewogene Gesetzgebung des hl. Dominikus hat sich im Laufe der Jahrhunderte bewährt und gilt in ihren Grundzügen bis heute. Er starb am 6. August 1221 im

Konvent von Bologna. Papst Gregor IX. hat ihn am 3. Juli 1234 in Rieti heiliggesprochen.

 

Dominikus hatte die Gnade des gesprochenen und nicht des geschriebenen Wortes, hinter dem aber die Harmonie seiner Persönlichkeit, seiner Gotteserfahrung und seines kühnen Handels stand.“ 24. Mai 1233 öffnete man sein Grab, um seine Reliquien umzubetten. 1264 wurde bei Niccolò Pisano ein neuer Sarkophag in Auftrag gegeben, die Arca di San Domenico, in der bis heute die

sterblichen Überreste des Heiligen ruhen in der Basilika von Bologna.

Hl. Dominikus, Jungfrau Maria und Hl. Katherina von Siena, St. Martin Kirche Szombathely, Ungarn, Photo: Eva Farkas
Hl. Dominikus, Jungfrau Maria und Hl. Katherina von Siena, St. Martin Kirche Szombathely, Ungarn, Photo: Eva Farkas

Verehrung

Sein Gedenktag in der römisch-katholischen und auch in der

anglikanischen Kirche ist der 8. August. Sein Gedenktag findet sich auch im Kalender der Evangelisch-Lutherischen Kirche in

Amerika. Der hl. Dominikus ist Schutzpatron der Städte Bologna, Madrid und Córdoba, der Wissenschaftler, der fälschlich Angeklagten, der Astronomen, der Dominikanischen Republik. Seine Attributen sind: das Kreuz, der Rosenkranz,

das Buch und die Weltkugel, Lilien, ein Stern über der Stirn und der Hund mit brennender Fackel im Maul. Die Dominikanische Familie, d.h. der erste Orden der Brüder, der zweite Orden der kontemplativen Schwestern, der dritte Orden der in Klöstern

lebenden aber in der Welt aktiven Schwestern und die Fraternitäten der Laien feierten 2016 weltweit mit großer Feierlichkeit das 800 jährige Jubiläum der Gründung des Ordens.

 

Text: Dr. Hilda Merkl Kőrösi

 

Literatur:

Dominikus. Hrsg. von Vladimir J. Koudelka. Walter Verlag.1983

Meinolf Lohrum OP: Dominikus, St. Benno Verlag, 1987

Guy Bedouelle OP: Saint Dominic- The Grace of the Word, Ignatius Press, San Francisco, 1994.

Poul Murray OP: The new Wine of Dominican Spirituality. A Drink Called Happiness. Burns & Oates, London-New York. 2006.

Die Europäischen Heiligen der Vorwochen finden Sie hier:

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