Der Heilige der Woche: Mauritius

Hl. Mauritius; Magdeburger Dom; Foto: Norbert Perner
Hl. Mauritius; Magdeburger Dom; Foto: Norbert Perner

Über die historische Person des Mauritius gibt es keine gesicherten Nachrichten. Der Legende nach war er der Anführer der überwiegend aus Christen bestehenden und aus Nordafrika kommenden sogenannten "Thebaischen Legion" zur Zeit der 1. Tetrarchie (Vier-Kaiser-System) des Kaisers Diocletian (284-305). Um 300 ist Mauritius angeblich zusammen mit seinen Soldaten in Agaunum, dem heutigen Saint-Maurice im Wallis, an der alten Route von Oberitalien über die Alpen zum Rhoental, als christlicher Märtyrer gestorben, nachdem er und seine Gefährten sich geweigert hatten, kaiserliche Befehle auszuführen. Sie verlangten, heidnischem Brauch zu huldigen und Christen zu töten. Ihm werden folgende Worte an den Kaiser zugeschrieben: "Wir sind deine Soldaten, aber sind auch Soldaten Jesu. Du Kaiser bezahlst uns für unsere Mühe und wir verteidigen das, was auch er gesagt hat. Niemals, Kaiser, können wir dir gehorchen, wenn Jesus uns zu gehorchen verbietet..."

Hl. Mauritius am Haus der Schwarzhäupter in Riga; Foto: Dimitri Bogatyrev
Hl. Mauritius am Haus der Schwarzhäupter in Riga; Foto: Dimitri Bogatyrev

Sein Wirken

Die Legende vom Märtyrertod des Mauritius und seiner Gefährten wird über kirchliche Quellen, die in das Wallis und das Rhonetal führen, seit dem 4. Jahrhundert verbreitet. Kult und Reliquien der "Thebäer" erlangen in den folgenden Jahrhunderten große Bedeutung. Abgesehen von der Abtei St.-Maurice (Abbaye de Saint-Maurice d’Agaune), ist der Magdeburger Dom vermutlich eine der bekanntesten Stätten seiner Wirksamkeit. Unter dem Patronat des Mauritius gründete Otto der Große 937 ein Benediktinerkloster, dessen Kirche er kontinuierlich ausbaute und reich ausstattet.

Kirche und kaiserliche Pfalz von Magdeburg wurden zum "dritten Rom" als Zentrum der ottonischen Reichspolitik und Missionierung der Slawen und der Hl. Mauritius zum kaiserlichen Schutzpatron. Die fast lebensgroße Skulptur des "schwarzen Heiligen" im Chor des Magdeburger Doms stammt aus der Mitte des 13. Jahrhunderts und bildet zusammen mit dem Grab Otto I. (der Große; gest. 973) einen der wesentlichen Anziehungspunkte des Doms. Zahlreiche Kirchen und Klöster wurden in der Vergangenheit unter dem Patronat des Hl. Mauritius errichtet.

 

Der wahrhafte Heilige erscheint zudem in vielen Wappen, u. a. sehr prominent in der Stadt Coburg. "Er taucht fast überall in der Vestestadt auf - in Wappen, an Häusern oder auf Kanaldeckeln: der legendäre Coburger Mohr gilt auch als Schutzpatron der Stadt. Dabei handelt es sich um den Hl. Mauritius, nach dem auch die Hauptkirche St. Moritz benannt wurde. Allerdings war Mauritius kein "Mohr", wurde aber als Afrikaner, wegen seines Namens von Künstlern des Mittelalters gern als solcher dargestellt.

Schwarzer Mauritius, Mitte 13. Jhd., Magdeburger Dom, Hoher Chor; Foto: Dieck-Paproth
Schwarzer Mauritius, Mitte 13. Jhd., Magdeburger Dom, Hoher Chor; Foto: Dieck-Paproth

Sein Name

Der Name "Mauritius" - eingedeutscht Moritz - wird gedeutet als "Mann aus Mauretania", der römischen Provinz im heutige Marokko und Algerien, deren ursprüngliche Bewohner lateinisch "Mauri" genannt wurden. Das darin enthaltene "maurus" wird in Wörterbüchern mit "afrikanisch" übersetzt. Es geht auf das griechische Wort für "dunkel" zurück. Zuerst um Magdeburger Dom als dunkelhäutigen Soldaten dargestellt, verbreitet sich diese Art der Bildlichkeit des ottonischen Lieblingsheiligen in vielen Varianten. Meist wird er mit (Ritter-)Rüstung und Waffen (Lanze, Schwert) und Fahne auf einem Pferd sitzend dargestellt. Die Darstellungen reichen bis in die Gegenwart, wie in 2006 gefertigtes, historisierendes Gemälde von Michael Maschka für die St.-Moritz-Kirche in Wechingen bei Augsburg zeigt. Legende, Namensgebung und mittelalterliche Darstellung prägen also wesentlich unsere Vorstellung von einem Menschen, über den wir im Prinzip keine faktischen Kenntnisse haben.

 

Die deutsche Namensvariante Moritz ist weit verbreitet. Sie lässt sich sowohl als Vorname wie auch als Familienname finden. Dabei war in der Vergangenheit mehr als in der Gegenwart mit der jeweiligen Benennung die Anrufung des Heiligen als Schutzpatron verbunden. Der Namenstag hat in der katholischen Kirche nach wie vor eine große Bedeutung. Für den Hl. Mauritius gilt im Allgemeinen  der 22. September als Gedenktag. Das heutige Mauritius-Gymnasium im westfälischen Büren beruft sich so auf den Edelherrn Moritz von Büren, der 1719-1728 die Errichtung des Gebäudes durch Johannes C. Schlaun und Gottfried L. Pictorius finanzierte und dort ein Jesuitenkolleg errichtete.

Mauritius-Gymnasium; Foto: B. Suerbaum-Renner
Mauritius-Gymnasium; Foto: B. Suerbaum-Renner

Seine Verehrung

Angesichts der Legende ist es nicht verwunderlich, dass der Hl. Mauritius besonders häufig in Orten der Schweiz, in Burgund und Frankreich sowie Oberitalien verehrt wird. 515 gründete König Sigismund von Burgund an der Stätte des römischen Agaunum und an dem Ort der frühesten Mauritius-Verehrung ein Kloster - Abbaye de Saint-Maurice d’Agaune - im heutigen schweizerischen Kanton Wallis, das als das älteste ununterbrochen bewohnte Kloster Europas gilt. Ausgehend von dieser frühen Verehrungsstätte verbreiteten Pilger und Kirchenleute den Ruhm des Heiligen in Europa. Er wird von vielen als Schutzherr angerufen, u.a. von Soldaten, Waffen- und Messerschmieden, den Kaufleuten und vielen Handwerker, u.a. den Färbern. Er gilt auch als Schutzpatron der Pferde. Ihm geweihte Bilder, Wandmalereien, Glasfenster, Altäre (z.B. im Petersdom), Statuen, Gemälde und andere Gegenstände zeugen - neben den nach ihm benannten Kirchen, Gebäuden und Orten im christlichen Raum - von seinem Ruhm ebenso wie sein fester Platz im liturgischen Kalender vieler Gemeinden.

 

Zu den verehrungswürdigen Gegenständen gehören auch das Schwert, die Lanze und die Fahne des Heiligen, besonders m Zusammenhang mit kriegerischen Ereignissen.

 

Es mag nicht als Verehrung gelten, zeugt aber von der Bedeutung des Heiligen, dass sich in jüngster Zeit Zeitungsbeiträge mit ihm beschäftigen - z. B. als Reisebericht über das Kloster Saint-Maurice d’Agaune und seinem Schatz, der zu den wichtigsten Europas gehöre, oder im Rahmen von Diskussionen um sprachliche Korrektheit in der Bezeichnungen, die das Wort "Mohr" verwenden.

Die Europäischen Heiligen der Vorwoche finden Sie hier:

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