Heilige der Woche: Katharina von Siena

Hl. Katharina von Siena in der ehemaligen Dominikaner Kirche in Kőszeg Ungarn
Hl. Katharina von Siena in der ehemaligen Dominikaner Kirche in Kőszeg Ungarn

"Katharina sei eine große Mystikerin mit einer christlogisch orientierten und eucharistischen Spiritualität gewesen" Benedikt XVI.

 

Katharina Benincasa wurde 1347 in der blühenden Stadtrepublik Siena als 24. Kind einer verarmten, adeligen Wollfärberfamilie geboren. Ihr Name ist griechisch und bedeutet: die Reine.

Als sechsjähriges Mädchen hatte sie eine Berufungsvision, nach der sie heimlich Jungfreulichkeitsgelübte ablegte. Sie sah Jesu über der Dominikanerbasilika mit der päpstlichen Tiara und er lächelte das Mädchen an. Das Gesehene "brannte" sich in Katharinas Herz ein und wurde für ihr ganzes Leben entscheidend.

 

Als sie zwölf Jahre alt wurde, begann ihre Familie Heiratspläne zu schmieden. Auf den Ratschlag von ihrem Verwandten, dem Dominikaner Pater Tommaso della Fonte, schnitt sie sich die Haare ab. Als Strafe musste Katharina in Haus und Küche wie eine Magd arbeiten, doch sie nahm alles mit Geduld und Liebenswürdigkeit an. Ihr Bedürfnis nach Stille, um ungestört beten zu können, wurde von Tag zu Tag stärker. Man nahm ihr das winzige, eigene Zimmer weg, aber sie entdeckte die "innere Zelle", das Bleiben in der Gegenwart Gottes inmitten der Turbulenzen des Hauses und der Welt. Die beispielhafte, wortlose Erfüllung ihrer schweren Pflicht, besänftigte zum Schluss ihre Familie. Die Begeisterung für die Dominikaner wuchs ständig in Katharina. Auch dieser Wunsch musst aber erkämpft werden, wobei ihre eine neue Vision und eine gefährliche Krankheit zur Hilfe kamen. 

 

Der Heilige Dominikus zeigte ihr in einer Vision das Ordensgewand der "Schwestern von der Buße des Heiligen Dominikus" (Mantellatinnen) und versprach ihr, diesem Orden angehören zu dürfen. Mantellatinnen trugen ein weißes Kleid, schwarzen Mantel und einen weißen Schleier. Kontemplative Ordensfrau des zweiten Ordens in strenger Klausur wollte sie nie werden. Zu dieser Zeit nahmen Mantellatinnen nur Witwen auf, die in ihren eigenen Häusern lebten. Erst nach wiederholten Anfragen wurde Katharina schließlich im Jahre 1363 im Alter von 16 Jahren in den Orden aufgenommen.

 

Ihre von Jesus bestimmte und in Visionen gezeigte Berufung und Sendung ging in einen andere, äußerst vielseitige, atypische Richtung.

 

Nach ihrer Einkleidung suchte Katharina Stille und Einsamkeit. Sie zog sich für drei Jahre ganz von der Außenwelt zurück, um sich dem Gebet und der Askese zu widmen. In einer Vision erlebte sie ihre "mystische Vermählung" mit Christus. Sie wurde aber bald aus der Abgeschiedenheit ihrer Zelle hinaus gesandt zu ihrer eigenen Familie und in die Welt zu den Menschen. Von dort aus versorgte sie Arme, pflegte Kranke, besuchte und tröstete Gefangene, begleitete Verurteilte zum Richtplatz, die sich auf ihren Einfluss bekehrt haben, schlichtete Streitigkeiten und stiftete Frieden in Familienfeindseligkeiten. Viele fanden daraufhin wieder den Weg zu Gott.

 

Ihr Ruf als Wohltäterin verbreitete sich schnell. Der Kreis ihrer Bekannten und Freunde wuchs rasch. Sie wurde in kurzer Zeit geistliche Mutter einer "famiglia". Alle nannten sie "ihre Mamma".

 

Die Liebe und Verehrung Gott gegenüber bedeutete für Katharina zugleich auch die Mitmenschen zu lieben: "Gib Gott die Ehre, die Mühe und Anstrengungen aber deinem Nächsten" - Eine Kirche der Barmherzigkeit schwebte ihr vor Augen. Die Kirche betrachtete und erlebte sie als den mystischen Leib ihres göttlichen Bräutigams. Alles, was gegen die Kirche getan wurde und unzähligen Sünden der Menschen, löste Schmerz in ihr aus. Um sie zu retten, wandte sie sich stundenlang im Gebet Jesus zu und nahm verschiedene Bußübungen auf sich. Ihr Gebet wurde in den meisten Fällen erhört. Sie mahnte in vielen Briefen Priester, Bischöfe und sogar Päpste, Christus in Barmherzigkeit zu folgen. Katharina war dankbar, dass die Barmherzigkeit ihres Bräutigams größer sei, als seine Gerechtigkeit: "Gott ist mehr bereit zu verzeihen, als ihr überhaupt sündigen könnt."

Neben ihrem sozialen, caritativen Wirken fand sie noch die Zeit, um sich mit Laien und Geistlichen zur Besprechung theologischer und kirchenpolitischer Themen zu treffen. Aus solchen Gesprächen schöpfte Katharina ihr - trotz fehlender Schulbildung - unglaublich großes theologisches Wissen, dass sich in ihren Schriften und Gebeten widerspiegelt und viele Fachtheologen verwunderte.

Hl. Katharina. Altarstatue in der Kirche der Dominikanerinnen in Kőszeg Ungarn
Hl. Katharina. Altarstatue in der Kirche der Dominikanerinnen in Kőszeg Ungarn

Politischer Einsatz einer Frau für Stadt und Kirche

1370 wurde Katharina schwer krank und erlebte ihren eigenen "mystischen Tod" - doch musste sie zurückkehren, um die Lehre Christi "vor die Kleinen und Großen [zu] bringen, vor Laien, Kleriker und Ordensleute, [...] zu den Päpsten, zu den Lenkern der Kirche und des christlichen Volkes, denn ich will auf meine gewohnte Art und Weise durch das Schwache den Stolz der Starken zuschanden machen."

 

Damit begann Katharinas öffentliche und politische Tätigkeit. Als Gott ihr den Auftrag erteilte, stellte sie Christus sofort die Frage, ob sie die Sendung als Frau erfüllen kann, weil "das Geschlecht mir aus vielen Gründen hinderlich ist".

 

Gott beschenkte sie aber mit einer Gewissheit, die ihr die Kraft gab, ihren Auftrag anzunehmen und von den Mächtigen ihrer Zeit ohne Angst eine innere Reform der Kirche in Armut und Demut zu fordern: "Erweist den Menschen Güte! Ihr wisst doch, durch nichts werden Seelen so angezogen, als durch liebvolle Güte."

 

Sie begab sich auf lange Reisen, meistens zu Fuß. Diktierte unzählige Briefe (schreiben konnte sie nicht) und kämpfte für eine tiefgreifende Kirchenreform. Sie versuchte den Papst zur Rückkehr von Avignon nach Rom zu bewegen und stellte sich als Friedensstifterin für die Stadt Florenz zur Verfügung. Nicht immer hatten ihre Bemühungen Erfolg. Neben dieser Tätigkeit nach "außen", schrieb sie auch an ihrem bekannten Werk "Dialog von der Vorsehung Gottes". Katharina fragte und bat den Allmächtigen. Seine Antworten vermittelte sie den Menschen.

 

1374 musste die junge Frau ohne jedes gelernte Wissen die Gewissheit ihres Herzens, ihre Visionen und ihre Überzeugung vor dem Ordenskapitel der Dominikaner verantworten. Ihre theologisch einwandfreie Verteidigung hatte alle überrascht und überzeugt.

 

1376 forderte Katharina Papst Gregor XI. auf, von Avignon nach Rom zurückzukehren, um dadurch eine Spaltung der Kirche zu verhindern. So radikal und direkt hat noch niemand mit einem Papst zu sprechen gewagt, außer der Heiligen Birgitta aus Schweden. Auf Katharinas Einfluss beendete Gregor XI. sein Exil und kehrte nach Rom zurück. Nach seinem Tod 1378 folgte dennoch eine innere Trennung der Kirche, die 40 Jahre anhielt. Katharina stellte sich auf die Seite des rechtmäßigen Papstes Urban VI., der sie nach Rom rief, wo sie bis zum Tod lebte. Katharina litt körperlich und seelisch sehr an den zerrissenen kirchlichen Zuständen.

 

Die harte Arbeit um die Rettung der Seelen, das Gebet und die Askese, das vollkommene Fasten - außer der Kommunion nach sie kein Essen zu sich - haben ihre Kräfte verzehrt.

 

Am 29. April 1380, im Alter von Jesus, mit nur 33 Jahren verstarb sie. Am Totenbett sagte sie: "Seid überzeugt, dass die einzige Ursache meines Todes die Glut für die Kirche ist, die mich verzehrt."

 

Sie wurde in der Kirche Santa Maria sopra Minerva in Rom in Begleitung des Volkes beigesetzt. Später hat man ihren Kopf als Reliquie unter großen Feierlichkeiten nach Siena, in ihre Heimatstadt, in die von ihr so sehr geliebte Basilika der Dominikaner gebracht.

 

Die meisten ihrer Anhänger traten in kirchliche Dienste und folgte dem Beispiel ihrer "Mamma". Ihr zweiter Beichtvater - Reimund von Cupa - hat aufgrund seiner vieljährigen, gewissenhaften Aufzeichnungen, 1395 die Lebensgeschichte von Katharina, die sogenannte "Legenda Maior" aufgezeichnet. Die Legenda Minor wurde von einem ihrer Jünger, Tommaso de Siena verfasst.

 

Bereits im Jahr 1461 wurde heiliggesprochen. 1939 hat Pius XII: sie zur Mitpatronin von Italien ernannt. 1970 wurde sie von Paul VI. zur Kirchenlehrerin erhoben und Johannes Paul II. hat Katharina 1999 mit ihrer Zeitgenossin Birgitta von Schweden und Edith Stein zur Mitpatronin Europas erklärt.

 

Der "Dialog der Vorsehung Gottes", die 381 diktierten Briefe, zählen zur klassischen Literatur Italiens und die Geschichte Europas wäre anders verlaufen, hätte sie nicht den Papst zur Rückkehr aus dem Exil bewogen.

Gottes Botschafterin in einer stürmischen Zeit

Ihre Epoche war von Kreuzzügen, Kriegen in Städten und Kirche, von Unbarmherzigkeit und Brutalität, von Krankheiten und Epidemien, von Angst und Elend gekennzeichnet. Katharina brachte den leidenden Menschen Trost.

 

"Nicht mehr ich lebe, Christus lebt in mir" (Gal 2,20) - diese Paulusworte wurden bei Katharina zur glaubhaften Wirklichkeit, aber auch zur öffentlich, politisch und kirchlich erfahrbaren Wirklichkeit. Ihr außergewöhnlicher Einsatz für Glaube, Hoffnung und Liebe von Christus und dem Nächsten, für Frieden und Heil des Menschen, bewegte, faszinierte, irritierte und inspirierte damals und heute.

 

Unzählige Bücher beschreiben ihr bewegtes Leben, die trotz allen mächtigen Angriffen von Familie Benincasa, Politikern, Gläubigen, kirchlichen Amtsträgern und vor allem Männern der Macht, einen einmaligen Einfluss auf die Welt ausgeübt hat. Ein in Ungarn bekanntes und geschätztes Buch wurden von der norwegischen Nobelpreisträgerin Sigrid Undset kurz vor ihrem Tode 1949 geschrieben. Sie schreibt: "Die Botschaft der Heiligen Katharina von Siena ist ununterbrochen aktuell. Wir bedürfen wahrhaft der Weisheit der Heiligen."

Die Europäischen Heiligen der Vorwoche finden Sie hier:

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