Heilige der Woche: Barbara

Jungfrau und Märtyrin, die heilige Barbara, gehört in der Slowakei zu den beliebten Heiligen. Mit ihrem Name sind viele Traditionen verbunden (sie ist die Patronin der Bergleute, Architekten, Maurer, usw.), und ihr sind mehrere Kirchen geweiht. Über das Leben der heiligen Barbara existieren keine offiziellen historischen Quellen. Über ihr Schicksal erfahren wir aus den Legenden.

 

Das Geburtsjahr der heiligen Barbara können wir nur schätzen. Sie wurde um das Jahr 273 im 3. Jh. in Nikomedien geboren, in der Familie des reichen und hoch gestellten heidnischen Kaufmanns Dioscuros, der der Gegner des christlichen Glaubens war. Die heilige Barbara ist in Gemälden und Altarbildern mit den christlichen Attributen dargestellt: ein Turm mit drei Fenstern, ein Kelch und eine Hostie, eine Kanone, eine Fackel. Sie zählt zu den vierzehn christlichen Nothelfern.

Statue von St. Barbora, Gönner von Bergleuten, im Dorf Štiavnické Bane
Statue von St. Barbora, Gönner von Bergleuten, im Dorf Štiavnické Bane

Ihr Leben

Das Leben der heiligen Barbara wird auf Grund der Legende dargestellt. Die heilige Barbara war schön und gebildet, sie interessierte sich für Naturwissenschaften. Ihre Beziehung zur Natur, Untersuchung der Sterne und natürliche Neugier bestimmten sie zu großen Taten voraus. Dioscuros behütete seine Tochter, sie war sein einziges Kind.

 

Als sie herangewachsen worden war, sperrte ihr Vater sie in einen dafür gebauten Turm ein, um sie vor christlichen Einflüssen der Gesellschaft zu schützen. Den Turm, der einer der mit heiliger Barbara verbundenen Symbole ist, ließ er baulich so ausstatten, dass es Barbara an nichts fehlte. Vom Turm beobachtete sie das Sonnenlicht, den Mond und Sterne, und dachte über die Welt nach.

 

Dioscuros wollte, dass sie heiratet, und stellte ihr verschiedene junge Männer vor. Barbara lehnte sie ab. Als sie im Turm eingesperrt worden war, traf sie sich - der Legende nach -heimlich mit einem Priester aus Alexandrien, der sie taufte. Als Barbara den christlichen Glauben angenommen hatte, ließ sie dem Turm als Symbol der Dreifaltigkeit ein drittes Fenster hinzufügen. Dioscuros erfuhr durch ihr Reden, dass sie eine Christin ist. Nach einer Legende floh Barbara aus dem Turm und versteckte sich in einem Felsen, der sich ihr nach ihrem Gebet um die Hilfe öffnete. Sie bat Gott, sie in der Not nicht untergehen zu lassen. Dem Vater verriet ein Hirte ihr Versteck. Dioscuros zwang sie mit ihm nach Hause zurückzukehren, wo er sie erst einsperrte und später zum Provinzpräfekt brachte, der sie grausam folterte. Barbara blieb bei ihrem Glauben und betete immer.

 

Als Wunder wurden ihre Wunden nach der Folterung geheilt. Zuletzt wurde sie zum Tod durch Enthaupten verurteilt, und ihr Vater führte das Urteil selbst aus. Als Strafe wurde er auf dem Weg nach Hause vom Blitz getroffen. Es wird angeführt, dass es am 4. Dezember im Jahr 290 oder 306 passierte, und ihr Grab eine Wunderstelle geworden ist. Die heilige Barbara hat deshalb ihren Gedenktag am 4. Dezember, der mit kalendarischen Bräuchen und Sitten verbunden ist.

Die heilige Barbara – Tradition und Gegenwart

Zur Erinnerung an die heilige Barbara erscheinen in der Slowakei die Gedenkmedaillen mit ihrem Bildnis in Gold und Silber. Die heilige Barbara wird als Patronin der Bergleutedargestellt, die Medaille wird jedes Jahr um neue Motive ergänzt. Das Gewicht der Medaille ist 3,5 Gramm.

Traditionell wird der Name der heiligen Barbara mit typischen Sitten in vielen Orten und Städten am 4. Dezember verbunden. Ein Brauch, der sich bis heute gehalten hat, besteht darin, dass am Fest der hl. Barbara die Mädchen Zweige von Kirschen oder Sauerkirschen schneiden und sie ins Wasser stellen. Man nennt diese Zweige „Barborky“. Diejenige, deren Zweig zu Weihnachten „Barborky“ blühten, sollte nächstes Jahr heiraten.

Der Name der heiligen Barbara ist auch mit Bergleuten verbunden. Unter Bergleuten wird sie hoch geehrt, sie ist ihre Patronin. Das Beispiel für eine Verbindung der Tradition mit der Gegenwart ist die Bildung des sogenannten Barbara-Weges, der die kulturellen und natürlichen Bergbaudenkmäler und Traditionen im Gebiet der mittelslowakischen Bergstädte zeigt. Der Weg in der Länge von 190 km hat 29 Haltepunkte, was das Todesalter der heiligen Barbara symbolisiert. Diese Zahl hängt auch mit der Bergmannsuniform zusammen, sie hat 29 Knöpfe. Auf der Strecke ist auch die Silhouette der Patronin versteckt.


Dokument der Bergbaubruderschaft der heiligen Barbara aus dem 15. Jhd.
Dokument der Bergbaubruderschaft der heiligen Barbara aus dem 15. Jhd.

Das bedeutendste Dokument für die Forschung im Zipser Archiv ist das 400 Jahre alte Dokument der Bergbaubruderschaft der heiligen Barbara, die seit dem 15. Jh. tätig war. Das Dokument wurde gerettet und restauriert. Im Dokument wird beschrieben, dass die Mitglieder der Bruderschaft als ihre Patronin und Schützerin die heilige Barbara gewählt haben. Jedes Mitglied der Bruderschaft war verpflichtet den Gedenktag der heiligen Barbara zu ehren und zusammen mit seinen Vorgesetzten ein Opfer zu bringen. Wenn dies nicht geschehen war, zahlte das Mitglied als Strafe drei Pfund Wachs. Der Gottesdienst fand in der Kapelle der Pfarrkirche statt, wo man der heiligen Barbara einen Altar baute und ihn weihen ließ. Die Ordnung der heiligen Barbara wurde in der Renaissance-Frakturschrift auf Ziegenpergamentvierfarbig geschrieben.

 

Die Verehrung der heiligen Barbara ist auch mit weltlichen Bauten in der Slowakei verbunden. Beim Bau des 1800 m langen Tunnels durch Turecký vrch (Türkischer Berg) in der Nähe der Gemeinde Trenčianske Bohuslavice wurde die Barbaraskulptur gebaut, die als

Schutzpatronin des Tunnels und der Bauarbeiter gedacht war. Die heilige Barbara ist die Schutzpatronin fast aller Tunnelbauten in der Slowakei.

Die der heiligen Barbara geweihten Kirchen und Kapellen beweisen ihre Verehrung, aber auch eine große Zahl der Altarbilder in verschiedener Kirchen. Die bedeutendste Kirchen, die der heiligen Barbara geweiht wurden, befinden sich in Žilina, Bytča und Bratislava. Die Persönlichkeit der heiligen Barbara wurde auch zum Thema des dramatischen Werkes von Štefan Králik, dessen Geschichte sich vor dem ersten Weltkrieg im Bergbau Handlova abgespielte. Bis heute kann Barbara im Haus als Patron des Familienwohls gesehen werden. Auf dem Bild ist eine polychrome Epoxidkopie der Statue von Meister Pavel von Levoča.

Quellen: 

Ondrejka, Kliment. 2008. Tajomstvo kalendárov. Po stopách kalendárov od staroveku až po dnešok.(Das Geheimnis der

Kalender. Nach Spuren der Kalender vom Altertum zur Gegenwart) Bratislava: Mapa Slovakia. ISBN 9788080672041.

http://www.zivotopisysvatych.sk/barbora/

http://barborano.sk/legenda-o-svatej-barbore/

http://cruxsacra.wz.cz/sablona/sv.%20Barbora/svata%20barbora.htm

https://spis.korzar.sme.sk/c/20763409/slovensky-narodny-archiv-zachranil-400-rocny-dokument-zo-spisa.html

 

Texte verarbeitet von: PaedDr. Darina Bačová, PaedDr. Mária Onušková

Übersetzung: Mgr. Ľubica Korečková

Fotos: Dr. Darina Výbohvá

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