Der Heilige der Woche: Gorazd

Hl. Gorazd in der Vitrage der Kathedrale des hl. Emeran in Nitra
Hl. Gorazd in der Vitrage der Kathedrale des hl. Emeran in Nitra

Er wurde um 830 geboren. Das genaue Jahr lässt sich nur schätzen. Er stammte aus adliger Familie aus der Umgebung von Nitra (dt.: Neutra). Durch die Ortsnamenforschung kann lässt sich der Geburtsort genauer bestimmen: in der Nähe vom Dorf Močenok gibt es die Ansiedlung Gorázda (heute Gorazdov), bei Galanta das Dorf Garažd (der Name entstand vom Altslawischen Гораждь – Gorazdov). Man geht davon aus, dass seine Familie dort ihr Besitztum hatte.

 

Seine Tätigkeit

Vor der Ankunft von Kyrill und Method bekam er die Ausbildung in einer fränkischen Klosterschule - er kannte die lateinische Liturgie und Kultur. Method berichtet davon, dass Gorazd "gut in lateinischen Büchern gelernt" hat. Es geht hier nicht um die Sprache, sondern um das Kennen der lateinischen Bildung, Kultur, kirchlicher Tradition und der Liturgie der lateinischen Kirche.

Er war der erste Gelehrte der heiligen Kyrill und Method. Er wird an erster Stelle ihrer Schüler genannt. Auch die Schrift "Das Leben des Kliment" erinnert an mehreren Stellen an ihn. Er war ein tüchtiger, geschickter und gebildeter Mann. Mehrere schreiben ihm die Autorenschaft vom Leben des Method, von Kiewer Schriften und anderen Werken zu. Nach Liber confraternitatum aus Reichenau kann davon ausgegangen werden, dass er, zusammen mit Method, gefangen gehalten wurde. Der heilige Method ernannte ihn vor seinem Tod zu seinem Nachfolger als Erzbischof. Bis heute ist aber fraglich, ob er zum Erzbischof geweiht wurde oder nicht. Es hat sich keine Biografie des hl. Gorazd erhalten. Die meisten Informationen enthält "Das Leben des Kliment" vom hl. Theophylactus. Da es keine zuverlässigen Informationen über sein Leben gibt, können wir nur schätzen, dass er (mit anderen Schülern) dem hl. Kyrill und dem hl. Method bei Übersetzungen und Umformulieren der Texte zur Seite stand und beim Lehren in der Großmährischen Akademie geholfen hat.

Nach dem Verjagen aller Schüler aus Großmären zwischen Februar und März 886, gibt es keine Informationen über Gorazd. Erst in späteren Quellen, deren Zuverlässigkeit aber fraglich ist, wird er wieder genannt. Es gibt mehrere Auffassungen, was mit Gorzad geschehen ist:

  • Er ist gestorben, ehe er aus Großmähren flüchten konnte.
  • Er blieb in Großmähren, aber zog sich vom gesellschaftlichen Leben zurück.
  • Er flüchtete nach Kroatien, Böhmen, Polen oder Bulgarien (zu den südlichen Slawen).
Kapelle des hl. Gorazd
Kapelle des hl. Gorazd

Tradition und Gegenwart

Zur Erinnerung an den hl. Gorazd werden in der Slowakei oft Gedenkmünzen und Briefmarken mit seinem Bildnis herausgegeben.

 

In der Slowakei finden traditionell mehrere Veranstaltungen statt, die an das Leben, das Wirken und die Bedeutung des hl. Gorazd für das slowakische Volk erinnern, nicht nur in Bratislava, sondern auch in anderen Regionen, z. B.: Gorazd-Močenok (christliches Theater), Gorazd-ekumenisches Festival der sakralen Musikstücke in Trebišov, Gorazd-literarisches Prešov, Gorazd-bildendes Námestovo, Gorazd-Orgeltage in Kováčová/Zvolen, Gorazd-künstlerisches Vrbové, usw.

 

Den Namen des hl. Gorazd gibt es in Bezeichnungen einer Auszeichnungen in der Slowakei: Die große Medaille des hl. Gorazd und die kleine Medaille des hl. Gorazd werden sowohl an LehrerInnen und BürgerInnen der Slowakischen Republik verliehen, als auch an Menschen mit anderen Staatsangehörigkeiten für die Arbeit im Bereich Schulwesen und Wissenschaft.

 

Der Gedenkbrief des hl. Gorazd wird an Schülerinnen und Studierende verliehen, die außerordentliche Leistungen in der Schule, im Studium, im künstlerischen und sportlichen Bereich gezeigt haben.

 

Die dem hl. Gorazd geweihten Kirchen belegen die Wertschätzung, die ihm entgegengebracht wird, wie auch die Zahl der Bildnisse von mehreren Künstlern (z. B. Hložník, Klimčák, u.a.). Seine Persönlichkeit wurde auch das Thema für das Gedichtswerk von Svetoslav Veigel.  

Der heilige Gorazd als Inspiration - von Schülern dargestellt

Text: PaedDr. Darina Bačová, PaedDr. Mária Onušková

Übersetzung: Mgr. Ľubica Korečková

Die Europäischen Heiligen der Vorwoche finden Sie hier:

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