Heilige der Woche: Ingeborg von Dänemark

  • Geboren um 1175 in Dänemark
  • gestorben am 29. Juli 1236 in Corbeil
  • Bedeutung des Namens: die von Gott geschützte

Die dänische Prinzessin Ingeborg, Tochter von König Waldemar I und seiner Frau Sofia, wurde - wie es damals üblich war - großpolitisch gehandelt, versprochen, vermählt und verschmäht. 1181, nur sieben Jahre alt, wurde sie verlobt. Der kommende Ehemann war nicht unbedeutend, denn Ingeborgs Vater war Herrscher über das nordische Imperium und ein wichtiger Mann. Ingeborg sollte Herzog Heinrich VI von Schwaben heiraten, den vierzehnjährigen Sohn Kaiser Friedrich Barbarossa. Doch nachdem Ingeborg als Ziehtochter einige Jahre in Deutschland gelebt hatte, schickte Barbarossa die Braut seines Sohnes 1187 nach Dänemark zurück. Die Zahlung der Mitgift war nicht eingetroffen, aber die „Ware“ unberührt.

 

Als der französische König Philip II den dänischen König Knut für ein Bündnis gegen die Plantagenets gewinnen konnte, wurde Ingeborg wieder politisch interessant. Die Verhandlungen vor der Hochzeit zogen sich über ein Jahr und von dänischer Seite wurden die tüchtigsten Mittelmänner nach Frankreich geschickt, u.a. der spätere Erzbischof Anders Sunesen und der in Frankreich geborene Abt Vilhelm von Æbleholt Kloster. Diese Ehe sollte Glans über Dänemark werfen, denn mit dieser Heirat war es unbestreitbar: Dänemark war eine Großmacht. König Knut bezahlte eine großzügige Mitgift für seine Schwester. Dänemark hatte damit auch einen Verbündeten gegenüber dem deutsch-römischen Kaiserreich.

Königin von Frankreich - eine starke Frau

Zur Festigung des Bundes mit Philipp, wurde Ingeborg am 14. August 1193 in Amiens verheiratet und am drauffolgenden Tag als Königin Frankreichs gekrönt. Schon am nächsten Morgen weigerte sich Philipp, die Ehe weiter zu führen. Er lehnte seine Frau ab; erklärte, dass er in ihrer Gegenwart zitterte. Bis heute gibt es keine Erklärung für seine abweisende Haltung.

 

Ingeborg war, so bezeugen es die Quellen, eine schöne und vor allem auch gebildete Frau. Trotzdem verstieß Philip sie am 5. November 1193. Er wollte die Scheidung, aber in Ingeborg floss altes Wikingerblut. Sie widersetzte sich. Noch einmal würde sie sich nicht zurückschicken lassen. Ingeborg lehnte deshalb jeden Gedanken an Scheidung ab. Sie war die rechtmäßige Königin Frankreichs, aber Philipp forderte weiterhin, dass die Ehe annulliert werden sollte. Er argumentierte vor allem und führte als Argument die enge Verwandtschaft zwischen Ingeborg und seiner ersten Ehefrau Isabella († 1190) an. Dies wurde von dänischer Seite verworfen. Abt Wilhelm fertige den Stammbaum des dänischen Königshauses an. Danach meinte Philip, dass die Ehe aufgrund von Zauberei niemals vollzogen worden wäre und damit wäre sie nach dem Kirchenrecht nicht gültig und konnte aufgehoben werden. Ingeborg wies alle diese Anklagen ab.

 

Als die Kirche in Frankreich die Ehe trotzdem annullierte, kämpfte Ingeborg weiter um ihre Rechte, und das, obwohl Philipp am 1. Juni 1196 wieder heiratete. Philipp sperrte seine selbstbewusste Frau ein und hoffte so, dass das Volk sie vergessen und sie sich fügen würde. Ingeborg verbrachte ihre Gefangenschaft in der Abtei Cysoing und später im Turm von Étampes, aber die Haft machte sie in nicht gefügiger, sondern kämpferischer. Während Philipe mit seiner neuen Frau in Paris residierte, rang Ingeborg um ihre Rechte und schrieb an Papst Cölestin, denn ihre Scheidung war bisher weder von der Kurie noch vom Papst bestätigt worden.

 

Deshalb, so sagte sie, lebe ihr Ehemann in Bigamie, weil er mit zwei Frauen verheiratet war. Die Auseinandersetzungen zogen sich über Jahre. Ingeborgs Brief an Papst Cölestin III führte letztendlich dazu, dass Innozenz III Philipp und Frankreich mit dem Kirchenbann ächtete. Philipp trennte sich notgedrungen am 7.7.1201 von seiner Gemahlin Agnes von Meran, um den Kirchenbann aufzuheben. Einige Monate später holte er Ingeborg an den Hof zurück. Doch auch da war der Kampf nicht vorbei. Philipp wollte immer noch, dass die Ehe mit Ingeborg annulliert wurde. 1208 legte er sein Begehren dem Papst vor und wieder sperrte er Ingeborg in verschiedenen Kerkern ein, wieder um sie gefügig zu machen, damit sie der Annullierung zustimmen würde. Ingeborg sollte aussagen, dass die Ehe nicht vollzogen worden war, damit die Ehe als ungültig erklärt werden konnte.

Doch Ingeborg bewies wieder Stärke. 1212 bestätigte sie unter Eid, dass die Ehe vollzogen worden war und Philip blieb nichts andres übrig, als den Annullierungsprozess zu beenden und Ingeborg aus der Haft zu befreien. Ingeborg wurde als rechtmäßige Königin Frankreichs rehabilitiert.

 

Die Abneigung oder Differenzen der Eheleute wurden allerdings niemals aufgewogen. Bis zu Philips Tod 1223 lebten die Eheleute getrennt. In seinem Testament nannte Philip Ingeborg seine „teuerste Gattin“ (carissima uxor). Als Witwe lebte Ingeborg in Orléans und Corbeil, wo sie 1236 starb.

 

Ingeborg wird in allen Quellen als mild, fromm und hübsch beschrieben und die trotz zwanzig Jahren Haft nicht bereit war, sich dem politischem Ränkespiel zu fügen. Nach dem Tod von Philip bezahlte sie die Seelenmessen für ihren verstorbenen Mann – sei es, weil sie fromm war oder weil sie damit noch einmal ihren Status als Königin unterstreichen wollte.

 

Ingeborg ist die Urheberin eines berühmten Psalters.

Die Europäischen Heiligen der Vorwoche finden Sie hier:

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