Heilige der Woche: Edith Stein

Bild in der Kapelle der Hl. Edith Stein- Teresia Benedicta a Cruce OCD, Breslau, Erzengel Michael Kirche
Bild in der Kapelle der Hl. Edith Stein- Teresia Benedicta a Cruce OCD, Breslau, Erzengel Michael Kirche

Kindheit, Studien und philosophische Arbeiten

Edith Stein wurde als jüngstes von elf Kindern in eine jüdisch-orthodoxe Familie am 12.Oktober1891 in Breslau geboren. Vier der Geschwister waren bereits vor Ediths Geburt verstorben. Ihr Vater, der Kaufmann Siegfried Stein, starb, als Edith etwa ein Jahr alt war. Die Mutter Auguste Stein, geborene Courant, führte den Holzhandel weiter und ermöglichte allen Kindern eine solide Ausbildung.

Nach neun Schuljahren verließ die begabte Schülerin 1906 vorzeitig das zehnjährige Lyzeum in Breslau und half fast ein Jahr lang ihrer ältesten Schwester Else Gordon in Hamburg, die zwei Kinder hatte. Zu der religiösen Tradition ihres Elternhauses entwickelte die junge Edith Stein ein kritisches Verhältnis und verstand sich zeitweilig als Atheistin. Zurück in Breslau, finanzierte die Mutter kurze Zeit Privatunterricht, so dass Edith 1908 nach einer Prüfung, ohne die 10. Klasse absolviert zu haben, in die 11. Klasse des Gymnasiums aufgenommen wurde und dort 1911 ein sehr gutes Abitur ablegte. Sie begann ihr Studium an der Universität Breslau und belegte die Fächer Psychologie, Philosophie, Geschichte und Germanistik. Später studierte sie an der Universität Göttingen und Freiburg im Breisgau, zuletzt wieder in Breslau. Nach ihrem Staatsexamen und der Doktorarbeit 1916 mit dem Thema Zum Problem der Einfühlung war sie bis 1918 wissenschaftliche Assistentin ihres Doktorvaters, des Philosophen Edmund Husserl in Freiburg. Obwohl mit Auszeichnung promoviert, wurde sie nicht zur Habilitation zugelassen. An der Universität Göttingen legte sie 1919 erfolglos die Habilitationsschrift Psychische Kausalität vor; in Breslau und Freiburg im Breisgau bewarb sie sich vergebens mit der philosophischen Abhandlung Potenz und Akt. Alle vier Versuche, zur Habilitation zugelassen zu werden, scheiterten an dem Faktum, dass sie eine Frau war. Edith Stein überarbeitete und beendete die Schrift in der NS-Zeit 1936 unter dem Titel Endliches und ewiges Sein. Die Schrift ist ein Grundriss der Ontologie. Edith Stein setzte sich darin mit dem Denken von Thomas von Aquin, Husserl und Heidegger auseinander.

Edith Stein als Studentin, 1913/1914
Edith Stein als Studentin, 1913/1914

Glauben – Weg zur Heiligkeit

 Obwohl Edith Stein von ihrer jüdischen Mutter religiös erzogen worden war, hatte sie sich mit vierzehn Jahren "das Beten ganz bewusst und aus freiem Entschluss abgewöhnt". Sie wollte ihr Leben ausschließlich aus sich selbst heraus gestalten, ganz darauf bedacht, ihre Freiheit in den Entscheidungen ihres Lebens zu behaupten. In der atheistischen Zeit ihres Lebens sagte sie: Meine Suche nach der Wahrheit war mein einziges Gebet. Am Ende eines langen Weges durfte sie zur überraschenden Erkenntnis gelangen: Nur wer sich an die Liebe Christi bindet, der wird wirklich frei. Den Wendepunkt im Leben Edith Steins bildete die Lektüre der Autobiografie der Hl. Teresa von Avilla. Am 1. Januar 1922 wurde Edith Stein in Bad Bergzabern durch die Taufe in die römisch-katholische Kirche aufgenommen.

 

Ostern 1923 siedelte Edith Stein in die Pfalz über, wo sie durch Vermittlung ihres geistlichen Begleiters Joseph Schwind, Domkapitular, eine Stelle als Lehrerin an den Schulen der Dominikanerinnen in Speyer übernahm. Im Kloster St. Magdalena hatte Edith Stein perfekte Bedingungen für die Entwicklung ihres geistlichen Lebens, sie nahm jeden Tag an der heiligen Messe teil, sie verbrachte oft Tage der Erinnerung und des Rückzugs, zum Beispiel in die Abtei von Beuron. Der Wunsch, in das Kloster einzutreten und ein beschaulicheres Leben zu führen, wuchs in ihr. In einem Brief von 1930 erinnerte sie sich an Odesiderio Vitae Monasticae - ein Verlangen nach religiösem Leben. Im September 1933 begann sie das Postulat, dann das Noviziat. Es war keine leichte Zeit. Die zweiundvierzigjährige Frau musste ihre Lebensweise ändern. In Breslau hinterließ sie eine verzweifelte Familie, konnte aber jede Woche Briefe an ihre Lieben schreiben. Die Korrespondenz war jedoch seltener als zuvor. Sie konnte das Kloster nicht verlassen, der Kontakt mit der Welt war begrenzt. Sie gab ihre früheren Aktivitäten: philosophische und pädagogische Arbeit auf. Außerdem musste sie lernen, in einer Gemeinschaft zu leben, um neue und schwierige Hausarbeiten zu übernehmen. Es erfüllte jedoch seinen lang gehegten Wunsch, in einer religiösen Gemeinschaft für Gott zu leben. Am 14. Oktober 1933, zur ersten Vesper des Hochfestes der Hl. Teresa von Avila wurde Edith Stein als Postulantin in den Karmel Maria vom Frieden in Köln angenommen. Während der Einkleidung bekam sie einen Habit und einen Ordensnamen: Teresia Benedicta a Cruce. Sie machte erste Gelübde und nach drei Jahren (1938) ewige Gelübde. In dieser Zeit, im Jahre 1936, ließ sich auch Ediths ältere Schwester Rosa Stein (1883–1942) taufen. Rosa Stein lebte später als Gast und Tertiarin im Karmel in Köln und betreute die Pforte.

Familie Stein; ca. 1894
Familie Stein; ca. 1894

Die Harmonie des religiösen Lebens wurde durch Nachrichten aus der ganzen Welt gestört, besonders im Zusammenhang mit der Macht der Nazis und der Verfolgung von Juden. Nach der Kristallnacht im November 1938 wurde Edyta mit ihrer Schwester Rosa in ein scheinbar sichereres Kloster in der holländischen Stadt Echt verlegt. Von dort wurden die beiden Schwestern Stein am 2. August 1942 von der Gestapo verhaftet, am 7. August mit der Reichsbahn in das deutsche Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau deportiert und dort am 9. August 1942 in der Gaskammer ermordet.

 

Dank der Haltung des aufmerksamen Zuhörens lernte Edith Stein auf der einen Seite die Zeugnisse der christlichen spirituellen Erfahrung kennen, die die Heilige Teresa von Avila und andere große Mystiker hinterlassen hatten. Auf der anderen Seite wurde sie von der jahrhundertealten Tradition des christlichen Denkens, fixiert im Thomismus, geprägt. Dieser Weg führte sie zuerst zur Taufe und veranlasste sie dann, ein kontemplatives Leben im Karmeliterorden zu wählen. Edyta führte ein sehr aktives Leben, das nicht nur mit spirituellen Suchen, sondern auch mit wissenschaftlichen und didaktischen Arbeiten gefüllt war, die sie mit bewundernswerter Hingabe ausführte. Besonders zu würdigen ist ihre Tätigkeit für den sozialen Fortschritt der Frau wegen der Epoche; Texte, in denen sie den Reichtum von Weiblichkeit und Frauenmission aus menschlicher und religiöser Sicht untersucht, sind äußerst durchdringend (vgl. E. Stein, Frau, ihre Aufgabe nach Natur und Anmut, Pelplin 1999). Edith Stein reifte im Laufe ihres Lebens allmählich in der Erkenntnis Gottes. Sie erkannte immer mehr ihre besondere Berufung, mit Christus den Kreuzweg zu gehen, das Kreuz gelassen und vertrauensvoll in die Arme zu nehmen und es in der Nachfolge ihres geliebten Bräutigams zu lieben.

 

60 Jahren nach dem Tod der Edith Stein wurde es ein offizieller Informationsprozess für die Seligsprechung angefangen. Edith Stein wurde am 1. Mai 1987 von Papst Johannes Paul II. in Köln seliggesprochen. Die Heiligsprechung fand am 11. Oktober 1998 in Rom statt. 1999 wurde Edith Stein – zusammen mit den hl. Brigitta und der Katharina von Siena – zur Patronin Europas erklärt.

Kapelle der Hl. Edith Stein- Teresia Benedicta a Cruce OCD, Breslau in der Erzengel Michael Kirche
Kapelle der Hl. Edith Stein- Teresia Benedicta a Cruce OCD, Breslau in der Erzengel Michael Kirche

Verehrung

Die heilige Edith Stein-Teresia Benedicta vom Kreuz wird uns heute als Vorbild gezeigt, an dem wir uns ausrichten können. Sie steht auch vor uns als Beschützerin, bei der wir Zuflucht nehmen dürfen. Die Heilige Edith Stein sei für uns ein Beispiel für unseren Einsatz im Dienst an der Freiheit und für unsere Suche nach Wahrheit. Ihr Zeugnis trage dazu bei, die Brücke gegenseitigen Verständnisses zwischen Juden und Christen immer fester zu machen. Diese Frau hat etwas Faszinierendes (7facher Glanz der Heiligkeit):

  1. Kompromisslose Ehrlichkeit im Streben nach Wahrheit
  2. Bewunderung im Gebet
  3. Ungewöhnliche Fähigkeit, sich für Treffen mit Menschen zu begeistern und aus diesen Zusammenkünften tiefe Schlüsse zu ziehen
  4. Die Fähigkeit, die Lebensweise bei Bedarf radikal zu ändern
  5. Konstante Gelassenheit und situativen Sinn für Humor, ständige Vergebung und Freundlichkeit gegenüber Menschen
  6. Ungewöhnliche Bescheidenheit und Diskretion

 

Kapelle der Hl. Edith Stein- Teresia Benedicta a Cruce OCD, Breslau in der Erzengel Michael Kirche
Kapelle der Hl. Edith Stein- Teresia Benedicta a Cruce OCD, Breslau in der Erzengel Michael Kirche

Verehrung

Die heilige Edith Stein-Teresia Benedicta vom Kreuz wird uns heute als Vorbild gezeigt, an dem wir uns ausrichten können. Sie steht auch vor uns als Beschützerin, bei der wir Zuflucht nehmen dürfen. Die Heilige Edith Stein sei für uns ein Beispiel für unseren Einsatz im Dienst an der Freiheit und für unsere Suche nach Wahrheit. Ihr Zeugnis trage dazu bei, die Brücke gegenseitigen Verständnisses zwischen Juden und Christen immer fester zu machen. Diese Frau hat etwas Faszinierendes (7facher Glanz der Heiligkeit):

  1. Kompromisslose Ehrlichkeit im Streben nach Wahrheit
  2. Bewunderung im Gebet
  3. Ungewöhnliche Fähigkeit, sich für Treffen mit Menschen zu begeistern und aus diesen Zusammenkünften tiefe Schlüsse zu ziehen
  4. Die Fähigkeit, die Lebensweise bei Bedarf radikal zu ändern
  5. Konstante Gelassenheit und situativen Sinn für Humor, ständige Vergebung und Freundlichkeit gegenüber Menschen
  6. Ungewöhnliche Bescheidenheit und Diskretion

 

Gedenktafel für Edith Stein an der Breslauer Universität
Gedenktafel für Edith Stein an der Breslauer Universität

Gedenken

Der Kult der heiligen Edith Stein - Teresia Benedicta a Cruce OCD breitet sich aus. Ihre Reliquien werden in Kirchen und Kapellen zunehmend verehrt. Sie sind in der Erzengel Michael Kirche in Breslau- ehemalige Pfarrgemeinde der Edith Stein, wo sie betete. Die Reliquie des Chormantels der Heiligen befindet sich in der Landricuskirche zu Echt, eine Reliquie vom Gewand der hl. Teresia Benedicta vom Kreuz sind im Speyrer Dom, eine weitere im Altartisch der Pfarrkirche Telfs-Schichtlig.

 

An allen Standorten von Edith Stein gibt es viele Gedenktafeln. Eine Gedenktafel befindet sich in Breslau an der Nowowiejskastrasse 38, wo ihr Familienhaus war und seit dem

Jahre 1995 als Eigentum der Stiftung- Die Edith Stein Gesellschaft ein Zentrum für Kulturdialog eingerichtet wurde. Die anderen Gedenktafeln sind an der Breslauer Universität, in Köln an der Dürener Straße 89 und an der Werthmannstraße 1, in Freiburg im Breisgau in der Goethestraße 63, Zasiusstraße 24, Dorfstraße 4 und Spitzackerstraße 16 in Günterstal. In Wachenheim ist die katholische Kirche dem Patrozinium der hl. Edith Stein geweiht. In Hamburg-Allermöhe gibt es die Edith-Stein-Kirche und einen Edith-Stein-Platz. Der 1978 errichtete und inzwischen aufgelassene Edith-Stein-Karmel in Tübingen war ebenfalls dem Patrozinium Edith Steins unterstellt. Eine Edith Stein geweihte Kapelle steht in Breslau, in Köln und in anderen Städten. Diverse Straßen, Schulen, Gebäude, Kliniken und öffentliche Einrichtungen in deutschen, niederländischen, österreichischen und polnischen Städten sind nach Edith Stein benannt. Der Edith-Stein-Preis wird vom Göttinger Edith-Stein-Kreis alle zwei Jahre an Persönlichkeiten, Gruppierungen und Institutionen verliehen, die sich grenzüberschreitend sozial engagieren. Er besteht aus einer Medaille mit der Inschrift „Unsere Menschenliebe ist das Maß unserer Gottesliebe“ und ist mit 5.000 Euro dotiert.

Breslau, Nowowiejskastraße 38: das Haus in der ehemaligen Michaelisstraße, in dem die Familie Stein wohnte. Seit dem Jahre 1995 Eigentum der Stiftung- Die Edith Stein Gesellschaft - ein Zentrum für Kulturdialog
Breslau, Nowowiejskastraße 38: das Haus in der ehemaligen Michaelisstraße, in dem die Familie Stein wohnte. Seit dem Jahre 1995 Eigentum der Stiftung- Die Edith Stein Gesellschaft - ein Zentrum für Kulturdialog

In aller Kürze

  • Edith Stein, Ordensname Teresia Benedicta a Cruce OCD, oder Teresia Benedicta vom Kreuz,
  • geb. 12.10.1891 in Breslau +09.08.1942 im KZ Auschwitz-Birkenau.
  • Sie wurde von dem Papst Johannes Paulus II. am 1. Mai 1987 selig und am 11. Oktober 1998 heiliggesprochen und als Mitpatronin Europas und Brückenbauerin zwischen Christen und Juden anerkannt.
  • Ihr römisch-katholischer und evangelischer Gedenktag ist der 9. August.
  • Sie war eine deutsche Philosophin und Frauenrechtlerin jüdischer Herkunft, die 1922 durch die Taufe in die katholische Kirche aufgenommen und 1933 Unbeschuhte Karmelitin wurde. In der Zeit des Nationalsozialismus wurde sie „als Jüdin und Christin“ zum Opfer des Holocaust.
  • Sie wird in der katholischen Kirche als Heilige und Märtyrin und in der evangelischen Kirche als Glaubenszeugin verehrt.

Quelle:

  • Edith Stein, Frau, ihre Aufgabe nach Natur und Anmut, Pelplin, 1999.
  • Reiner Wimmer: Edith Stein. In: Vier jüdische Philosophinnen, Leipzig 1996.
  • Anita Czarniecka-Stefańska, 1998 „Szukając prawdy – Edyta Stein w kulturze polskiej”, Danuta Mrozowska i Halina Okólska, 2006, Przewodnik „Wrocław Edyty Stein” - wydanie drugie rozszerzone http://www.edytastein.org.pl/pl/4-edyta-stein/2-biografia/ 
  • https://de.wikipedia.org/wiki/Edith_Stein

Der Beitrag wurde erarbeitet von:

Prof. Dr. Grazyna Swiatowy, Wroclaw (PL)


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